Grundlegende Luftraumneuordnung für den Großraum Stuttgart zu erwarten
Acht Controller/Controllerinnen sowie 45 Vertreter aus 20 Vereinen rund um Stuttgart trafen sich auf dem Flugplatz Wächtersberg im Sektor „Schwarzwald“ zum 13. PC Meeting. Erfreulich, dass zwei Lotsen per UL zum PC Meeting anreisten, weniger erfreulich und unverständlich, dass die Vereine so schwach vertreten waren.
Der im vergangenen Jahr wetterbedingt kurzfristig abgesagte Termin kam somit ein Jahr später bei bestem Flugwetter zustande. So konnten die Lotsen den Flugsport hautnah erleben und im Segelflugzeug, Hubschrauber oder Motorflugzeug mal den Sektor von oben betrachten.
Kurt Sautter, Vorsitzender des AK Sektoren, unterstrich nochmals die Bedeutung dieses Meinungsaustausches vor Ort. Fünf Anpassungen der Luftraumstruktur/
Segelflugsektoren im Großraum Stuttgart sind seit 1993 über die Bühne gegangen. Das Stuttgarter Modell mit seiner flexiblen Handhabung hat inzwischen im In- und Ausland Nachahmer gefunden. Die gestiegenen Anforderungen zum Erhalt unseres Luftraums erfordern immer wieder neue Anstrengungen um das System stabil zu halten.
Sorge macht dabei den Sportfliegern auch die Personalknappheit und Einsparung auf Seiten der DFS, welche zwangsläufig zur Reduzierung von Freigaben führt.
Kurt Sautter erläuterte die Nutzungsdauer in den verschiedenen Freigabenhöhen der „Westbank“. Besonders stark betroffen ist der Sektor Poltringen bei welchem die Freigaben über 4000 ft um 60% in den letzten 3 Jahren zurückgegangen sind. Die Freigabe im Sektor ALB über 7000 ft sind seit 2003 ebenfalls stark fallend. Begründet wird dies von Seiten der DFS mit dem stark zunehmenden Verkehrs-aufkommen in Stuttgart. Stuttgart ist bundesweit der Flughafen mit der größten Zunahme an Verkehrszahlen.
Das Ziel „maximale Sicherheit für alle Luftverkehrsteilnehmer“ muss nach wie vor die Leitlinie sowohl der DFS als auch des AK Sektoren sein. Einer der Garanten hierfür ist und bleibt das Stuttgarter Modell mit seiner flexiblen Nutzung des Luftraums.
Billigflieger bevorzugen Stuttgart – EDDS boomt
Jochen Baumgarten, Segelflugbeauftragter der Flugsicherung Langen und Helmut Montag, DFS Stuttgart, erläuterten aus Sicht der DFS die Entwicklung der Flugbewegungen des Flughafens Stuttgart seit 1948. Seit 1984 ist eine steiler werdende Anstiegskurve zu beobachten, wobei das Jahr 2001 nur einen kurzen Einruch der Flug-Frequenz brachte. Der Anstieg von 50.000 Bewegungen in 1984 auf 160.000 in 2006 schob Stuttgart auf Platz vier der internationalen Flughäfen nach Frankfurt, München und Düsseldorf und hat selbst Berlin Tegel nun überrundet. Noch in diesem Jahr wird in Stuttgart der zehnmillionste Fluggast von Flugplatzchef Fundel ein Geschenk in Empfang nehmen können.
Durchschnittlich hatte Stuttgart 2005 448 Flugbewegungen pro Tag. Das Maximum lag bei 613. Mit nur einer Startbahn wurden im Spitzenfall 51 Bewegungen pro Stunde abgewickelt. Beeindruckend auch die Zahl der durchschnittlichen täglichen Passagiergäste mit 26.000 Personen!
Außerhalb der Sektoren/Luftraumgrenzen, insbesonders im Westen und Osten nimmt der VFR/IFR Mischverkehr (unter FL 100) zu, welcher der DFS zunehmend Unbehagen bereitet. Legt man einen drei Grad Anflugwinkel der gewerblichen Luftfahrt zu Grunde, so wird ersichtlich, dass zur Erhöhung der Sicherheit der Luftraum Delta erneute Anpassungen erforderlich macht. Anhand von Aufzeichnungen der Anflugspuren wurde dies den Anwesenden verdeutlicht.
Dass die Flugleitungen zum Absenken der Freigaben immer telefonisch erreichbar sein muß, wurde nochmals deutlich herausgestellt. Gewitterentwicklung oder ähnliche Situationen engen den Luftraum rund um Stuttgart manchmal stark ein, so dass durch Absenken der Sektorenfreigaben kurzfristig Luftraum für den gewerblichen Verkehr geschaffen werden muss.
Erneute Luftraum-Veränderungen in Sicht
Für die Frühjahrssaison sind umfangreiche Neuerung für den Luftraum Stuttgart zu erwarten, wobei weitere Vereine die bislang außerhalb der Sektorenregelung lagen einbezogen werden. Der AK Sektoren wird mit den „neuen Vereinen“ kurzfristig Kontakt aufnehmen.
Die Gespräche der DFS mit dem DAEC (AUL) und dem AK Sektoren sind erst angelaufen, so dass konkrete Pläne noch nicht veröffentlicht werden können. Im Frühjahr werden rechtzeitig vor Saisonbeginn in der Ost- und der Westbank Informationstermine für die Vereine stattfinden.
In der Diskussionsrunde wurden gezielt Fragen an den anwesenden Wachleiter Andreas Klink gerichtet. Zeitgleich arbeiten in Langen rund 150 Lotsen. Ein Wachleiter ist für ca. 30-40 Fluglotsen zuständig. Tipp für alle Flugleiter die in Langen anrufen: Bei nicht sofort erfüllbaren Wünschen bezüglich der Höhenfreigabe sollte grundsätzlich nachgefragt werden: „Wann kann ich mich wieder melden? “ wurde von Seiten der DFS als durchaus wünschenswert akzeptiert.
Übungsanflüge nach Stuttgart sind am ehesten am Samstag möglich da dies in der Regel der verkehrsschwächste Wochentag ist sowie im Regelfall zwischen 13 und 15 Uhr.
Am Kaffeetisch wurden aber auch andere Flugsicherungsthemen diskutiert. Wie wirkt sich die Kapitalprivatisierung der DFS auf die nichtgewerbliche Luftfahrt aus? Unbehagen bei den Luftsportlern, wenn neben der Lufthansa ausländische Investmentgesellschaften bei der DFS einsteigen und über Personalstraffung die Erhöhung der Kapitalrendite zum Ziel erhoben wird? Alles Entwicklungen welche dem Luftsport nicht dienlich wären.
Die in der Diskussion stehende zweite Startbahn in Stuttgart sowie die neue Messe mit den zusätzlichen Flugverkehrsaufkommen brachte zusätzlichen Gesprächsstoff. Wobei klar ist, dass die zweite Bahn mit einem Abstand von 187 Metern von der jetzigen Bahn den von der internationalen Norm geforderten Abstand für einen Parallelbetrieb von 2400 Meter (wie in München) bei weitem nicht erfüllt. So beträgt der „Kapazitätsgewinn“ bei den Flugbewegungen ca. 25 %. Dennoch wird man sich wohl langfristig mit diesen Plänen befassen.
Die Veranstaltung mit den geführten Diskussionen verdeutlichte mehr denn je die sich ständig veränderten Rahmenbedingungen bezüglich der Nutzung des Luftraums sowie der Bedeutung des Dialogs mit Vertretern der DFS.
Allen Lotsen und Lotsinnen welche ihre Freizeit uns Luftsportlern für Gespräche zur Verfügung stellten ein herzliches Dankeschön.
