FI(A) werden im BWLV

Ein Perspektiven öffnender Lehrgang

Die Freude, das motorisierte Fliegen zukünftig weitergeben zu dürfen, trieb insgesamt 14 Piloten an, sich beim BWLV-Motorfluglehrer-Lehrgang 2025 anzumelden. Über knapp vier Monate wurden gemeinsam Theorie gepaukt und das Fliegen von der rechten Seite gelernt. Welche neuen fliegerischen Facetten der Weg zum FI(A) bereithält, berichten die Teilnehmer des Lehrgangs.

Vorbereitung ist der Schlüssel zum Erfolg

Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass der BWLV ein so umfangreiches Ausbildungsprogramm wie das der Motorfluglehrer-Ausbildung organisiert. Über 125 Stunden Theorie und insgesamt 30 Stunden Flugunterricht mit einem Fluglehrer-Ausbilder müssen auf dem Weg zum FI(A) erbracht werden. Dass dies kein Zuckerschlecken wird, die Anwärter jedoch fliegerisch wie auch menschlich enorm weiterbringt, machte Oliver Bucher (BWLV-Fachausbildungsleiter Motorflug) in einer Infoveranstaltung Mitte Januar 2025 klar. 

Ehe es für die 14 angehenden Fluglehrer richtig losgehen konnte, mussten zunächst alle Anforderungen erfüllt und ein Paket notwendiger Formulare ausgefüllt werden. Lediglich viele Motorflugstunden im Flugbuch reichen dabei nicht aus, um FI(A) zu werden. Vielmehr müssen auch Bedingungen wie zehn Stunden Ausbildung im Instrumentenflug sowie ein besonderer Vorab-Testflug mit einem Fluglehrer-Ausbilder nachgewiesen werden, um beim Lehrgang teilnehmen zu dürfen.

Waren alle Voraussetzungen erfüllt, galt es noch, die notwendigen Formulare für den Lehrgang auszufüllen und diese auf Vereinsflieger zu archivieren. Erst dann konnte der Ausbildungslehrgang beginnen. Dieser unterteilte sich in einen Theorieteil auf dem Klippeneck und einen zehntägigen Praxisteil im Blockformat auf dem Flugplatz Aalen-Elchingen (EDPA).

Von Anfahrwirbel bis Idealzyklone: Theorie-Refresher auf dem Klippeneck

An vier verlängerten Wochenenden zwischen Mitte Februar und Ende März 2025 rauchten die Köpfe der angehenden Fluglehrer, die sich im BWLV-Luftsport-Trainingszentrum Klippeneck erstmals richtig kennenlernten. Die motivierten und selbsternannten „Teilzeit-Fluglehrer“ kamen dabei aus ganz Baden-Württemberg – von Freiburg bis Giengen an der Brenz. Auch hinsichtlich des beruflichen Hintergrunds waren die Kursteilnehmer bunt gemischt: Vom (Teilzeit-) Berufspiloten über Steuerberater bis hin zu Informatikern. Die Diversität in der Gruppe half, die Themen rund um das Lehren des Fliegens aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

Ziel des Theorieteils ist es, die Fluglehreranwärter auf die Fragen der künftigen Flugschülerinnen und -schüler bestmöglich vorzubereiten, wozu ein solides Fundament an Theoriewissen notwendig ist. Neben den klassischen Unterrichtsfächern wie Aerodynamik, Navigation und Meteorologie lag im Lehrprogramm ein großes Augenmerk auf den besonderen Verfahren und Flugplanung bzw. -durchführung. 

Wer nicht bereits eine andere Lehrlizenz hatte, durfte dann noch an einem Wochenende zum Thema „Lehren und Lernen“ teilnehmen. Die Teilnehmer tauchten so üblicherweise Freitagvormittag in die Welt der Flugtheorie ab und gegen Sonntagabend erschöpft, aber bereichert wieder auf. Dabei wurden die Lehrinhalte aus dem PPL(A)-Fragenkatalog nicht nur wiederholt, sondern auch an vielen Stellen vertieft. Glücklicherweise stellte Christina Neugebauer (Leiterin des Gästehauses Klippeneck) genügend Getränke, Vesper und Nervennahrung in Form von Keksen für die Pausen bereit, wodurch sie schnell zur heimlichen Heldin des Theorieteils bei den Fluglehreranwärtern aufstieg.

Auch außerhalb der Lehrstunden ein gutes Netzwerk aufgebaut

Pro Unterrichtsfach durften zwei Fluglehreranwärter auch ein mit den Ausbildern abgestimmtes Thema im Rahmen einer Lehrprobe vortragen. Mit Lob und Tipps konnten die Teilnehmer sich beim Vermitteln komplexer Sachverhalte ausprobieren, um so den Theorie-Unterricht später in den Vereinen zu üben. Im Anschluss eines jeden Unterrichtsfachs wurde abends eine Prüfung geschrieben und danach besprochen.

Das Highlight nach einem anstrengenden Tag Theorie war schließlich das gemeinsame Abendessen. Zwischen Ausbildern und Anwärtern wurden fliegerische Erlebnisse und Erfahrungen abseits der Ausbildung ausgetauscht, ehe es in die Zimmer des Gästehauses ging.

Ein gefundenes Fressen für die Teilnehmer und witzige Abwechslung zugleich war das Mysterium des verschwundenen Druckers aus dem Ausbildungsraum. Dieser wurde nach intensiver Suche dann glücklicherweise gefunden; jedoch nicht in den Kofferräumen der Autos.

Die zwölf langen Theorietage auf dem Klippeneck haben sich trotz oder gerade wegen aller Anstrengungen gelohnt. Einige Aspekte, die beim alltäglichen Fliegen vielleicht etwas ins Hintertreffen geraten sind, wurden nun so durchdrungen, dass die Fragen der Flugschüler definitiv kommen können. Von wertvollen Refreshern zum Kursschema (Was war noch mal der rwKüG – rechtweisende Kurs über Grund?) über Klärung von Haftungsfragen in der Ausbildung (welche deutschen und europäischen Rechtsvorschriften sind relevant?) bis hin zur Analyse und Besprechung von BFU-Berichten in Gruppenarbeit (wie hätte wer sich anders verhalten können?) reichte das breit gestreute Portfolio an Lehrinhalten.

Die Perspektive des rechten Flugzeugsitzes kennenlernen

Die Vorfreude auf den Praxisteil vom 15. bis 25. Mai 2025 war groß: endlich durften die dokumentenreich in Vereinsflieger angelegten Flugzeuge und Fluglehreranwärter den Flugweg nach Aalen-Elchingen (EDPA) aufsuchen. Um jedem innerhalb von zehn Tagen insgesamt 30 Flugstunden vom rechten Sitz zu ermöglichen, war eine gute Koordination notwendig. Darum kümmerten sich Oliver Bucher und Hansjörg Beuttenmüller mit Hilfe einer eigenentwickelten Software zum Tracking der erflogenen Flugstunden.

Die ersten zwei Tage lag der Fokus darauf, das Flugzeug von der rechten Seite aus fliegen zu lernen und die anfänglichen „Plumps“-Landungen dahin zu entwickeln, dass trotz Seitenwindbedingungen das Flugzeug sanft aufsetzt. Das Tagesprogramm war durchweg gut gefüllt: Vorbereitete Checklisten und Standard-Platzrunden wurden mit den Ausbildern besprochen, Ausbildungseinheiten wurden individuell besprochen und Flugzeuge nach den Flügen verdient gepflegt. Auch ein weiterer Theorietag zum Thema „Threat and Error Management“ wurde neben weiteren Lehrproben zur Mitte des Praxisteils abgehalten.

In einer sehr angenehmen Lernatmosphäre unterstützten sich Ausbilder und Fluglehreranwärter gegenseitig bei allen Belangen, sei es beim Tanken, bei Kleinreparaturen, dem Verzurren des Flugzeugs oder dem Transport von schweren Druckern.

Auf fliegerischer Seite wurde spürbar Wert darauf gelegt, den eigenen Horizont zu erweitern. Mit einer Grob G115 durfte jeder Teilnehmer das Ausleiten des Trudelns üben. Der Verkehrslandeplatz Niederstetten und die Bundeswehr ermöglichten es jedem angehenden Fluglehrer, zwei Ground Controlled Approaches durchführen; ein fliegerisches Landemanöver der besonderen Art, bei dem die Piloten mit Korrekturangaben zur Landebahn durchgesprochen werden. Etliche Ziel- und Notlandeübungen förderten die Beherrschung des späteren Schulungsflugzeuges von der rechten Seite.

Selbstverständlich kam auch das Lehren des Fliegens nicht zu kurz. Dabei nimmt der Fluglehrer-Ausbilder die Rolle des Flugschülers ein, und der Fluglehrer-Anwärter muss die Flugübungen erklären sowie korrigieren. Keine leichte Aufgabe zu entscheiden, ob man eingreift, verbale Kommandos gibt oder den Flugschüler selbst draufkommen lassen soll. Die gesammelten Erfahrungen und Erlebnisse wurden abends wieder beim Essen ausgetauscht.

Da das Wetter in Aalen mit nur wenigen Regenschauern hervorragend mitspielte, war es möglich, die Prüfungen zum Lehrgangsende durchzuführen. Letztlich haben es alle Fluglehrer-Anwärter geschafft und dürfen künftig ein FI(A) in ihren Lizenzen tragen. Sie alle verließen daher den Flugplatz Aalen-Elchingen mit strahlenden Gesichtern – im Gepäck eine große Bandbreite an neuen fliegerischen Erfahrungswerten, tolle Erlebnisse und das Gefühl, wirklich etwas dazugelernt zu haben.

Nur gemeinsam sind wir stark!

Immer wieder taucht die Frage auf: Wozu braucht es eigentlich einen Landesverband wie den BWLV? Die Antwort wird sichtbar, wenn es um die Ausbildung neuer Fluglehrer geht – gerade in einer Zeit, in der behördliche Anforderungen stetig steigen und Fluglehrer im Motorflug immer rarer werden.

Der Landesverband übernimmt hier eine Schlüsselrolle: Er schafft Strukturen, bündelt Ressourcen und ermöglicht es so der nächsten Generation von Flugbegeisterten, den Schritt in die Luft zu machen. Es ist ein Privileg, eine so große ATO im BWLV zu haben. Nicht viele Landesverbände in Deutschland können dies – sowohl personell als auch finanziell – in dieser Form bieten.

Was diesen Lehrgang besonders gemacht hat, ist vor allem das herausragende ehrenamtliche Engagement der Fluglehrer-Ausbilder. Sie haben sich mit großer Leidenschaft und fachlicher Kompetenz dafür eingesetzt, Pilotinnen und Piloten auf ihrem Weg zur Lehrberechtigung zu begleiten. War dabei alles stets perfekt? Natürlich nicht – das wäre illusorisch. Aber eines war immer spürbar: der unermüdliche Einsatz der Ausbilder, die neben Beruf und Familie eine so umfangreiche Ausbildung auf die Beine gestellt haben.

Danksagung

Unser besonderer Dank gilt daher allen Ausbildern, namentlich: Helmut Albrecht, Karl-Heinz Beiser, Hansjörg Beuttenmüller, Steffen Bodanski, Frank Dörner, Janik Eggler, Stefan Fackler, Anja Langer, Felix Michnacs, Rainer Peghini, Gerhard Pilz, Steffen Wagner, Alexander Zimmermann.

Ein besonders herzlicher Dank geht an Oliver Bucher und Bernd Heuberger (BWLV-Referat Aus- und Weiterbildung), die im Backoffice sowie bei der Konzeption und Organisation des Ausbildungsprogramms unverzichtbare Arbeit geleistet haben. 

Ebenso möchten die Teilnehmer dem BWLV-Luftsport-Trainingszentrum Klippeneck sowie dem Flugplatz Aalen danken. Beide haben durch ihre Infrastruktur und Flexibilität maßgeblich zum Gelingen des Lehrgangs beigetragen.

Nicht zuletzt gilt unser Dank jenen Vereinen, die ihren Fluglehrer-Anwärtern mit finanzieller Unterstützung, organisatorischem Rückhalt oder gar vollständiger Kostenübernahme den Weg geebnet haben. Ein Investment in die Zukunft, das sich für viele angehende Motorflugschülerinnen und -schüler schon bald auszahlen wird.

Aus diesem Lehrgang ist eine starke Gemeinschaft hervorgegangen – 14 frischgebackene „Teilzeit-Fluglehrer“, die nun bereit sind, das weiterzugeben, was sie selbst erfahren durften. Die Motivation ist groß, sich künftig aktiv in der Ausbildung zu engagieren und so den Flugsport nachhaltig mitzugestalten.

Text: Oliver Meindl und Teilnehmer des Lehrgangs 2025
Fotos: Philipp Nierkamp, Daniel Basler, Sven Luipold, Oliver Meindl, Max Krätschel, Manuel Dürr, Hansjörg Beuttenmüller, Jannis Gernhold