Große Trauer um Prof. Dr. Richard Eppler

Am 25. November 2021 verstarb Prof. Dr. Richard Eppler im hohen Alter von 97 Jahren. 

Mit großer Bestürzung und tiefer Trauer hat der BWLV vom Tod einer außergewöhnlichen Persönlichkeit, eines herausragenden Wissenschaftlers und eines ganz besonderen Fliegerkameraden und Freundes erfahren: In Prof. Dr. Richard Eppler verliert nicht nur der BWLV ein sehr geschätztes Mitglied, sondern die gesamte Fliegerwelt trauert um einen wunderbaren Menschen, der andere trotz seiner enormen Kenntnisse und seines überragenden Intellekts mit seiner stets bescheidenen und freundlichen Art zu begeistern und für sich einzunehmen wusste. 

Prof. Dr. rer. nat. Richard Eppler galt als Experte in den Disziplinen Aerodynamik, Strömungsmechanik, Tragflügelprofile, Flugmechanik, Belastung und Festigkeit von Flugzeugen. Phönix und Phöbus, Astir sowie die Flugzeugfamilie von Grob sind eng mit seinem Schaffen verbunden, und Luftsportler wie auch die Wissenschaften verdanken ihm zahlreiche Innovationen. 

Wissenschaftliche Laufbahn
Richard Eppler wurde am 28. Juni 1924 in Ulm geboren. Sein Abitur legte er 1942 ab, noch im Krieg studierte er von 1943 bis 1945 Luftfahrttechnik, anschließend Mathematik in Tübingen und Stuttgart. 1951 promovierte er an der TH Stuttgart. Von 1956 bis 1967 ging Prof. Eppler in die Industrie und arbeitete für die Firma Bölkow, wo ihm zunehmend Verantwortung übertragen wurde. In dieser Zeit habilitierte er sich gleich zweimal: 1959 für Aerodynamik in Stuttgart und 1960 für Theoretische Strömungsmechanik in München. 

1968 wurde Prof. Eppler an den Lehrstuhl für Technische Mechanik an der Universität Stuttgart berufen. Dort blieb er bis 1989 aktiv tätig. 1978 und 1979 war er jeweils sechs Wochen als Berater am NASA Langley Research Center tätig. Richard Eppler hat in seinem Institut numerische Arbeiten zur Turbulenzentstehung angeregt. Inzwischen sind auf diesem Gebiet viele wichtige Ergebnisse gewonnen worden. 
Experte für Laminarprofile

Prof. Eppler selbst schuf die Rechenwerkzeuge für die Berechnung von Profilen, vor allem Laminarprofilen. Der Katalog seiner Profilsammlung umfasste mehr 1.000 computerberechnete Profile für alle Bereiche - vom Modell bis zum personentragenden Flugzeug. Für seine herausragende Arbeit wurde Prof. Eppler mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht, darunter 1985 mit dem Bundesverdienstkreuz sowie 2006 mit dem Ludwig-Prantl-Ring, der höchsten Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt. Der BWLV zeichnete Richard Eppler 2014 mit einer seiner höchsten Ehrungen, der Klaus Holighaus Medaille, aus. 

Entwicklung des Phönix und Phöbus
Als anerkannter Experte der Aerodynamik beeinflusste Richard Eppler über viele Jahre hinweg maßgeblich die Entwicklung der Segelflugzeuge. Neben einer Vielzahl von Flügelprofilen, die er für Modellflugzeuge und manntragende Flugzeuge entwickelte, erwarb er sich bei der Einführung von Faserverbundwerkstoffen im Segelflugzeugbau große Verdienste. 

Diese leichten und hochfesten Werkstoffe ermöglichten erst eine neue Generation von Flügelprofilen, die in den 1960er-Jahren zu einem gewaltigen Leistungssprung bei den Segelflugzeugen führten. So entwickelte Richard Eppler gemeinsam mit Hermann Nägele und Rudi Lindner das weltweit erste in Faserverbundbauweise hergestellte Segelflugzeug, den Phönix. Diese Technik wurde in der Folge in der Phöbus-Flugzeugfamilie weiterentwickelt und optimiert. Heutzutage werden alle am Markt angebotenen Segelflugzeuge in dieser Technologie produziert. Darüber hinaus hielt diese später in vielen Bereichen der Luftfahrt, aber auch im Bereich der Windenergie oder des Flugmodellbaus Einzug.

Begeisterung für den Modellflug
Richard Eppler war aber auch dem Modellflug immer zugetan. Er begann schon während seiner Jugend als Mitglied der Modellfluggruppe „Die Einkornspatzen“ in Schwäbisch Hall mit dem Flugmodellbau. Tatsächlich rettete ihm diese Leidenschaft sogar mit großer Wahrscheinlichkeit das Leben: Mit einem Saalflugmodell gewann er 1941 als 17-Jähriger den Lilienthal-Preis, der mit 5.000 Mark dotiert war – dies ermöglichte ihm das Studium der ersten drei Semester im Fach Luftfahrttechnik und bewahrte ihn davor, als Pilot der Luftwaffe in den Krieg geschickt zu werden, wo er wohl mit großer Wahrscheinlichkeit umgekommen wäre. 

Er wurde 1951 Mitglied der neu gegründeten Modellflugkommission im DAeC im Fachreferat „Technik und Forschung“. Er verstand, dass Modellflugzeuge keine Spielzeuge, sondern durchaus anspruchsvolle Flugzeuge sein können. Saalflugmodelle waren immer seine Leidenschaft, und er konnte 1952 einen Saalflugrekord für Nurflügelmodelle aufstellen.

Bei Lehrveranstaltungen im Hörsaal spielten Flugdemonstrationen mit Saalflugmodellen häufig eine zentrale Rolle, um aerodynamischer Effekte zu veranschaulichen. Für den Modellflug entwickelte und vermittelte er seine Entwurfsphilosophien für Strömungen bei kleinen Reynoldszahlen.
Zahlreiche Profilentwürfe für Flugmodelle zeugen von seinem Engagement in diesem Bereich. Dabei deckte er einen breiten Einsatzbereich, vom Freiflugmodell bis zum ferngesteuerten Hochgeschwindigkeits-Pylonrennmodell ab. Die Profile mit dem „E“ am Anfang der numerischen Profilbezeichnung sind auch heute noch ein Begriff und weiterhin populär.

Außergewöhnliche Bescheidenheit und Nahbarkeit
Geprägt von seiner Kindheit und Jugend in einer schwäbisch-pragmatischen Familie, aus der auch sein Bruder, der bekannte SPD-Politiker Erhard Eppler stammte, zeichnete sich Richard Eppler durch eine außergewöhnliche Bescheidenheit und Nahbarkeit aus, die ihresgleichen suchte. Man fand ihn oft auf dem Flugplatz inmitten seiner Kameraden bei der Fliegergruppe Dettingen/Teck – seinem Heimatverein, dem er seit seinem Eintritt im Jahr 1951 ein Leben lang treu blieb. Die Weitergabe seines reichen Erfahrungsschatzes an die nachfolgenden Generationen war ihm dabei stets eine besondere Herzensangelegenheit, die von allen sehr geschätzt wurde.

So schreibt denn auch die Fliegergruppe in ihrem bewegenden Nachruf: „Wir werden Richard als einen Fliegerkameraden in Erinnerung behalten, der nie Aufhebens um seine Person und seine Titel machte, sondern sich in unserer Fliegerfamilie wohl fühlte, mit uns lachte und feierte und sich mit jedem jungen Flugschüler und Piloten über dessen kleine Erfolgserlebnisse freuen konnte.“

Gern gesehener Referent, verlässlicher Freund
Auch dem BWLV war Richard Eppler stets in herzlicher Freundschaft eng verbunden. Er war mehr als 70 Jahre lang Mitglied und blieb dem Verband bis zuletzt ein verlässlicher und gern gesehener Gast und Referent. Oft sprach er bei BWLV-Veranstaltungen, seien es die Info-Abende des Arbeitskreis Sektoren, aber auch bei anderen Gelegenheiten.

Dabei zeichnete ihn aus, dass er auch schwierigste Sachverhalte prägnant und unterhaltsam erklären zu wusste. Er trug eine ihm eigene, nie endende Wissbegier und Begeisterung in sich. Nichts machte ihm so viel Freude wie die Tatsache, etwas intellektuell ganz und gar erfasst, ja „durchdrungen“ zu haben. Dies strahlte unweigerlich nach außen, und so konnte er seine Zuhörer fesseln und für die Sache begeistern – ganz zu schweigen davon, dass er es schaffte, sie auch quasi „nebenbei“ mit seiner ungeheuer freundlichen und sympathischen Art für sich einzunehmen. 

Der BWLV nimmt Abschied von einem herzensguten und außergewöhnlichen Menschen, der eine große Lücke hinterlässt. Allen Angehörigen und Freunden gilt tiefes Mitgefühl, und der BWLV wünscht ihnen viel Kraft in dieser schweren Zeit. Die Luftsportler im Land werden Richard Eppler als herausragenden Wissenschaftler und geschätzten Freund in dankbarer Erinnerung halten und ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. 


Foto: BWLV-Archiv/Hansjörg Jung