Erfolgreiche Mitgliederversammlung 2019

Zur diesjährigen Mitgliederversammlung des BWLV trafen sich am Sonntag, 17. November 2019, rund 230 Delegierte aus 77 Luftsportvereinen, Behörden und Institutionen sowie Förderer des Luftsports in der Filderhalle in Leinfelden. Rechnungsabschluss und Haushalt wurden angenommen, das Präsidium entlastet – dies alles ohne Gegenstimme. Auch eine Satzungsänderung wurde einstimmig beschlossen. Insgesamt zeigten sich die Mitglieder mit der Arbeit des Verbandes sehr zufrieden.

Zunächst richteten mehrere Ehrengäste das Wort an die Versammlung. So sprachen der Leitende Regierungsbaudirektor Robert Hamm vom Regierungspräsidium Stuttgart - Landesluftfahrtbehörde - sowie Stefan Klett, Präsident des Deutschen Aero Clubs (DAeC), zu den Mitgliedern. Darüber hinaus begrüßte BWLV-Präsident Eberhard Laur zahlreiche Ehrengäste, darunter den Geschäftsführer des Badischen Sportbundes Freiburg Volker Stark, den stellvertretenden Geschäftsführer des Badischen Sportbundes Nord Michael Titze und den ehemaligen Leiter der Außenstelle Stuttgart des Luftfahrtbundesamtes Manfred Schweizer.

Im Anschluss hielt Albrecht Munz von der Ballonsportgruppe Stuttgart einen spannenden und kurzweiligen Vortrag zum Thema „Faszination Ballonsport: Mit dem Gasballon über die Alpen.“ Dabei ging Munz, der seit 1984 Pilot bei der BSG Stuttgart ist, zunächst auf die lange Historie seines Vereins ein. Danach schilderte er anhand zahlreicher Bilder die beeindruckenden Impressionen, die er bei einer neunstündigen Alpenüberquerung im Gasballon gewonnen hatte. BWLV-Präsident Eberhard Laur dankte Munz im Namen des Verbandes und überreichte dem Referenten als Dankeschön ein Präsent. 
Anschließend ging Präsident Laur in seiner Ansprache auf die wichtigsten Themen im abgelaufenen Jahr ein.

Anbindung des BWLV an die Sportbünde im Land
Die Bemühungen des BWLV seien erfolgreich gewesen, alle Anzeichen stünden gut, dass in den nächsten ein bis zwei Jahren der Schritt gelinge, den BWLV im Württembergischen Sportbund und dem Badischen Sportbund Nord als Mitglied zu platzieren. Gleiches gelte für die Vereine der betreffenden Region dieser Sportbünde, so Laur. Entscheidend sei, noch einmal auf die Bedeutung dieses Schrittes hinzuweisen: „Die Mitgliedschaft des BWLV und seiner Mitgliedsvereine in den Sportbünden Baden-Württembergs ist wichtig, weil wir uns als Randsportart damit in das Konzert des Sportes insgesamt einreihen. Ich habe immer betont: Nur gemeinsam kann man stark sein. Und so ist es auch auf Landesebene im Sport“, sagte der BWLV-Präsident. Die Sportorganisation insgesamt mit Millionen Mitgliedern habe gegenüber der Politik und der Öffentlichkeit ein weitaus höheres Gewicht als Einzelverbände oder aber Vereine. So erhoffe der BWLV sich im Rahmen dieser Mitgliedschaft auch Unterstützung auf politischer Ebene. Man erreiche mit der Mitgliedschaft in den Sportbünden aber auch Vorteile aus Dienstleistungen, welche die großen Sportverbände für die Vereine anbieten, darunter ergänzende Versicherungsleistungen zum BWLV-Rahmenvertrag, vielfältige Möglichkeiten der Fortbildung und nicht zuletzt die Mitgliedschaft im Sport- Förderkonzept des Landes. „Ich bin sicher, wir werden diesen Schritt gemeinsam erfolgreich schaffen. Hierfür werbe ich mit Nachdruck und ich bitte Sie alle, diesen Weg zukünftig mit uns gemeinsam zu gehen“, sagte Laur.

Situation im Dachverband DAeC
Der DAeC als wichtiger Dachverband stehe im Moment vor großen Herausforderungen. Deshalb gelte es, eine brauchbare Lösung zu finden und die Bildung von Konkurrenzverbänden zu vermeiden. Der BWLV kämpfe mit Nachdruck dafür, dass ein bundesweiter Dachverband des Luftsports zwingend erhalten bleibt, sagte Laur. Es gelte, neue Strukturen zu finden. Alles deute darauf hin, dass der DAeC sich dahin orientiere, ein Verband der Fachverbände zu werden. Nur noch spezielle wenige Aufgaben sollten demnach dem DAeC selbst überlassen sein, so im Bereich der Lobby-Arbeit, der Öffentlichkeitsarbeit und auch der Vertretung auf internationaler Ebene in den Gremien der EASA / EU. Die fachspezifischen Arbeiten sollten primär in den Fachverbänden angesiedelt sein. Klar sei aber auch: Eine Neustruktur könne und dürfe es nur geben mit starken Landesverbänden wie bisher, so Laur.

Luftraum
Präsident Laur betonte, dass der drohende massive Zugriff der Drohnenindustrie abgewehrt werden müsse. Auch eine Neuordnung des Luftraums rund um den Verkehrsflughafen Zürich stelle eine Gefährdung für die Flieger im Südschwarzwald dar. Gemeinsam mit Partnern des Schweizer Aeroclubs und zahlreicher anderer dortiger Luftfahrtinstitutionen wende der BWLV sich mit aller Kraft dagegen, dass im Zuge dieser Planungen kontrollierte Lufträume abgesenkt werden. Es dürfe nicht dazu kommen, den Luftraum für die Allgemeine Luftfahrt und den Segelflug im Schwarzwald weiter einzuschränken. Er dankte allen für den BWLV tätigen Luftraumspezialisten, insbesondere Helmut Montag und Kurt Sautter vom Arbeitskreis Sektoren im BWLV.

Windenergie
Laur betonte erneut, dass sich der Verband nicht per se gegen den Ausbau der Windkraft wende. Er kämpfe aber selbstverständlich dafür, dass die seit Jahrzehnten bestehenden Fluggelände durch Bauvorhaben von Windkraftanlagen nicht mit Einschränkungen oder mit Schließungen bedroht werden. Die extremen Bauhöhen der Windkraftanlagen von über 250 Meter Blattspitze seien eine massive Bedrohung für den Luftsport und für die Flugsicherheit. Hierauf werde und müsse der BWLV wir an jeder geeigneten Stelle hinweisen. „Einen Ausbau der Windenergie in Flugplatznähe um jeden Preis und mit nicht ausreichenden Abständen können und dürfen wir nicht akzeptieren!“, stellte Laur klar und dankte BWLV-Präsidialrat und Fachmann Hansjörg Jung für seinen Einsatz auf diesem Gebiet.

Flugsicherheit
Der BWLV sei durch die neu gegründete Arbeitsgruppe Flugsicherheit auf einem sehr guten Weg, um das Bewusstsein der Piloten in vielerlei Hinsicht zu schärfen. Diese Arbeitsgruppe sei mittlerweile aktiv, um den Vereinen und Mitgliedern Hilfestellungen bei der Flugsicherheitsarbeit zu geben.

Technik
Im Bereich der Technik gebe es Erleichterungen und Erschwernisse gleichermaßen. So freue man sich über Erleichterungen, die der Part M-Light vor allem im Bereich des freigabeberechtigten Personals ermöglicht. Laur dankte allen Akteuren im DAeC und im Fachausschuss Technik des BWLV, welche sich beharrlich und erfolgreich für den Luftsport in dieser Sache eingesetzt haben. Sorge in der Technik bereite hingegen der immer größer werdende Bürokratie-Aufwand unter anderem bei der Aufrechterhaltung der Lufttüchtigkeit der Luftfahrzeuge. Sein Appell ging an die Verantwortlichen in den Behörden, hier mit Augenmaß zu agieren. Es dürfe nicht sein, dass durch überzogene Anforderungen Luftfahrttechnische Betriebe vor unlösbare Aufgaben gestellt werden.

Geländezulassung
An zahlreichen Segelfluggeländen im Land, an denen bis dato über Einzelerlaubnisse auch in geringem Umfang motorgetriebene Flugzeuge betrieben werden durften, seien Änderungen in der Platzgenehmigung erforderlich. Die geänderte Sach- und Rechtslage sei schon seit Jahren bekannt und die Thematik virulent. Viele Vereine hätten bereits Maßnahmen umgesetzt. „Ich danke der Luftfahrtbehörde für den konstruktiven Dialog. Gemeinsam ist ein vernünftiger Modus gefunden, um in den nächsten Jahren die notwendigen Anpassungen vorzunehmen“, sagte Laur. Es gelte, den Erhalt des Status quo in einem neuen rechtlichen Kleid zu sichern. Der BWLV werde hier seine Vereine – auch beratend – unterstützen.

Entwicklung der Zweckbetriebe (Jugend- und Weiterbildungsstätte Klippeneck, BWLV-Motorflugschule)
Insgesamt sei der Verband mit den Ergebnissen zufrieden. Aber man müsse weiter daran arbeiten, die Auslastung der Betriebe am Klippeneck zu verbessern. Dieser Standort sei wichtig, denn er beherberge eine Vielzahl an Verbandsmaßnahmen, insbesondere im Bereich der technischen Ausbildung, die für den BWLV existenziell seien. „Wir sind hier auf einem guten Wege, aber der Weg ist noch lang“, sagte Laur.

Umstellung auf „Verbandsflieger.de“
Große Anstrengungen habe in den zurückliegenden Monaten die Implementierung der Verbandssoftware „Verbandsflieger“ erfordert. Der Schritt sei aber richtig gewesen, mehr als 70 Prozent der BWLV-Vereine arbeiteten bereits auf der Parallel-Plattform „Vereinsflieger“. Die Umstellung der Verwaltungssoftware biete nicht nur Kostenvorteile, sondern erleichtere auch die Kommunikation und den Datenaustausch mit den Vereinen – auch wenn dafür auf lieb gewonnene Gewohnheiten verzichtet werden müsse.

BWLV-Ausbildungsbetrieb
Der BWLV-Ausbildungsbetrieb sei nach wie vor bestens aufgestellt, betonte der Präsident. Nicht nur generell werde es im Segelflug mit Implementierung des Rule-Books im nächsten Jahr deutliche Verbesserungen im Regelwerk geben. Ein großer Erfolg sei auch die Schaffung des Praxis-Handbuches Grundausbildung Segelfliegen gewesen. Der knappe Leitfaden eigne sich hervorragend, nicht nur für die Ausbildung, sondern für jeden Segelflieger. Laur dankte der Bundeskommission Segelflug des DAeC als Herausgeber, aber auch denjenigen, die im BWLV an diesem Handbuch mitgearbeitet haben, allen voran Georg Dörder und Harald Ölschläger. Darüber hinaus habe der BWLV-Ausbildungsbetrieb in den zurückliegenden Monaten unter Federführung von Harald Ölschläger, Egon Schmaus und anderen das Ausbildungshandbuch überarbeitet. Hier hoffe man, im kommenden Jahr mit einer „gestrafften Version“ einen guten Schritt nach vorne zu gehen. Doch auch die Vereine seien unersetzlich. Die Flugausbildung gehöre zum Wichtigsten, was man in den Vereinen und im Luftsport habe und benötige.

Wechsel in der Position des Verbandsausbildungsleiters
Präsident Laur gab bekannt, dass der bisherige Verbandsausbildungsleiter Egon Schmaus sein Amt aus persönlichen Gründen abgebe. Für ihn habe das Präsidium in seiner Sitzung im Oktober Harald Ölschläger als neuen Ausbildungsleiter und Referent Ausbildung gewählt. Laur dankte Schmaus für die geleistete Arbeit und überreichte ihm die Ernennung zum BWLV-Ehrenmitglied. Seinen Nachfolger Harald Ölschläger hieß Laur herzlich willkommen und wünschte ihm eine erfolgreiche Arbeit.

Leistungssport
In den zurückliegenden Monaten waren die BWLV-Sportler erneut sehr erfolgreich. Bei zahlreichen Welt-, Europa- und Deutschen Meisterschaften konnten Siege und vordere Platzierungen errungen werden. Eberhard Laur gratulierte allen Beteiligten und dankte ihnen für ihren Einsatz.

Dank
Zum Abschluss seiner Ansprache dankte Eberhard Laur allen, die die Arbeit des Verbandes vielfältig unterstützen, insbesondere dem Land Baden-Württemberg, der Landesregierung und der Luftfahrtverwaltung, dem Landessportverband und den Sportbünden als Partner im Förderverfahren, den vielen Institutionen und Einrichtungen in der Luftfahrt wie etwa das Luftfahrtbundesamtes – Außenstelle Stuttgart – sowie die Deutsche Flugsicherung – Außenstelle Stuttgart – und nicht zuletzt den Freunden, Förderern und Gönnern des Verbandes; zuvorderst die Hellmut-Niethammer-Stiftung und der Hanns-Kellner-Fonds. Ein Dank ging auch an alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter sowie die ehrenamtlich Tätigen in den Vereinen. Insbesondere dankte Laur seinen Kollegen im Präsidium für die gute Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren.

Rechnungsabschluss für 2018 und Haushaltsplan 2020
Der Rechnungsabschluss für das Jahr 2018 wurde nach einem positiven Bericht der Rechnungsprüfer (vertreten durch Horst Ehni), die die Finanzen für ordnungsgemäß befunden hatten, von den Mitgliedern einstimmig genehmigt. BWLV-Vizepräsident und Schatzmeister Hans-Joachim Proß stellte die Eckdaten des Haushalts für 2020 vor. Auch dieser wurde einstimmig genehmigt. Der BWLV wolle auch in Zukunft ein verlässlicher und professioneller Dienstleister für den Luftsport sein. Das Ziel der Verantwortlichen des BWLV sei es, die Leistungen des Verbandes kontinuierlich zu verbessern, Rationalisierungsmöglichkeiten auszunutzen und Kosten einzusparen, ohne dabei Dienstleistungen zu reduzieren. Insgesamt sei der Verband finanziell gut aufgestellt und könne allen Aufgaben gut nachkommen, so Proß.

Entlastung des Präsidiums
Die Mitglieder entlasteten das Präsidium einstimmig und sprachen der BWLV-Spitze somit ihr uneingeschränktes Vertrauen aus. Die Entlastung nahm Ulrik Beutter, Vorsitzender des FSV Mössingen vor. In seiner Ansprache erläuterte er, wie wichtig der BWLV als starker Interessenverband im Luftsport sei und bescheinigte dem Verband, eine hervorragende Arbeit geleistet zu haben. 
Anträge des Vorstands auf Änderung zur Satzung
Der Antrag des Vorstands auf Änderung der Satzung zu §23 (Ermächtigung, Verbandsordnungen zu erlassen) wurde einstimmig angenommen. Auch die Verabschiedung der Beitragsordnung des BWLV wurde mit überwältigender Mehrheit angenommen.

Wahl der Rechnungsprüfer
Besonderen Dank sprach Eberhard Laur den ausscheidenden Rechnungsprüfern Michael Neudel und Horst Ehni aus. Sie wurden erneut als Rechnungsprüfer gewählt.

Ehrung der Luftsportler
BWLV-Vizepräsident Walter Eisele zeichnete insgesamt mehr als 20 Luftsportler, die sich durch besondere Leistungen hervorgetan hatten, mit Goldenen Leistungsplaketten aus. Darunter waren Teilnehmer bei Welt- und Europameisterschaften sowie zahlreiche Deutsche Meister. Walter Eisele lobte die besondere Einsatzbereitschaft der Sportler und ihrer Vereine.
Darüber hinaus vergab er jeweils eine Goldene Leistungsplakette an die Fliegergruppe Freudenstadt für die hervorragende Ausrichtung des 78. Deutschen Segelfliegertages sowie an den Luftsportring Aalen für die Ausrichtung der Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft der Junioren im Segelflug. „Ohne dieses besondere Engagement wäre es nicht möglich, Luftsport erfolgreich und nachhaltig zu betreiben. Deshalb danke ich allen, die dafür sorgen, dass unsere Luftsportler weiterhin so gute Bedingungen vorfinden, wie es derzeit der Fall ist“, sagte Eisele in seiner Rede.

Der BWLV – ein starker Verband
Präsident Eberhard Laur zog ein überaus positives Fazit der Versammlung: „Der BWLV ist auf allen Ebenen gut aufgestellt. Wir haben gut gewirtschaftet, und unsere Mitglieder haben uns ihr Vertrauen deutlich demonstriert.“ Somit könne der Verband zuversichtlich in die Zukunft blicken und den guten Weg, den er eingeschlagen habe, gestärkt fortsetzen.

Hauptversammlung des Hanns-Kellner-Gedächtnisfonds (HKF)
Nach der BWLV-Mitgliederversammlung fand – ebenfalls in der Filderhalle - die Hauptversammlung des Hanns-Kellner-Gedächtnisfonds (HKF) statt. Der Vorstand wurde einstimmig entlastet. Turnusgemäß laut Drei-Jahres-Rhythmus standen Wahlen an, und der Vorstand des HKF stellte sich geschlossen zur Wiederwahl. Alle Vorstandsmitglieder wurden einstimmig wiedergewählt, sodass sich der alte und neue Vorstand wie folgt zusammensetzt: Werner Heidrich (Vorsitzender), Gerd Schütt (stellvertretender Vorsitzender), Barbara Kaiser (Geschäftsführerin), Melanie Ebert, Roland Helfer und Thorsten Kremer (alle Beisitzer).

Ebenso einstimmig wie die Wahl wurde der Antrag des HKF-Vorstands auf Ergänzung der Satzung im Sinne der Datenschutzgrundverordnung angenommen.

Der Vorsitzende Werner Heidrich dankte den Vereinen und seinen Vorstandskollegen für die rege Beteiligung und die gute Arbeit und rief die Vereine dazu auf, dem HKF beizutreten, sofern dies nicht ohnehin schon der Fall sei. Wahlleiter Oliver Goller betonte, dass die Hilfsleistungen des HKF einmalig seien und man sich glücklich schätzen könne, diese in Anspruch nehmen zu dürfen – sei es bei der Unterstützung in Not geratener Flieger oder auch bei der Jugendarbeit.

Abschluss
Im Anschluss an die Versammlungen trafen sich die Mitglieder zu einem Imbiss im Foyer der Filderhalle. Dabei gab es einen regen Austausch und es wurden viele gute Gespräche geführt.

Die nächste BWLV-Mitgliederversammlung findet am Sonntag, 22. November 2020, in der Filderhalle in Leinfelden statt.

Text und Fotos: Simone Bürkle


90 Jahre BWLV und Übergabe der Technischen Betriebswerkstatt

Mit einem großen Festakt hat der Baden-Württembergische Luftfahrtverband (BWLV) – Partner und Dachverband für rund 200 Vereine und 20.000 Luftsportler im Land – am Samstag, 6. Mai, sein 90-jähriges Bestehen auf dem Klippeneck bei Denkingen gefeiert. Zugleich erfolgte die offizielle Übergabe der neuen Technischen Betriebswerkstatt des Verbandes. Rund 300 Gäste waren vor Ort bei der Veranstaltung, deren Schirmherrschaft Justizminister Guido Wolf übernommen hatte. Im Anschluss hatte die Arbeitsgemeinschaft der Fliegergruppen am Klippeneck (ARGE) zu ihrem Flugplatzfest geladen.

Zumindest wettermäßig waren die Voraussetzungen für eine Festveranstaltung sowie ein Flugplatzfest nicht die besten: Zwischenzeitlich schüttete es am Wochenende wie aus Kübeln auf dem Klippeneck. Dennoch zeigten sich die Veranstalter sehr zufrieden mit der großen Resonanz und den guten Besucherzahlen. „Wir freuen uns über eine gelungene Feier und zahlreiche positive Rückmeldungen“, resümierte Eberhard Laur, der Präsident des Baden-Württembergischen Luftfahrtverbandes. Und auch Sören Ebser, Sprecher der ARGE, betonte: „Zum Glück haben uns die Bewohner der Anrainergemeinden nicht im Stich gelassen, und es kamen einige Besucher.“

Diese erlebten zunächst einen offiziellen Festakt mit zahlreichen Ehrengästen,  diversen Showeinlagen, Musik und Bewirtung. Den Anfang machte Fallschirmweltmeister Klaus Renz, der pünktlich und zielgenau vor der neuen Werkstatthalle des BWLV landete und den Festgästen seine besten Grüße überbrachte. Das langjährige BWLV-Mitglied betonte, dass der Verband ihm stets ein guter und zuverlässiger Partner gewesen sei. „Ich wünsche dem BWLV mit seiner neuen Halle alles Gute!“, so Renz.

In seiner Begrüßung dankte BWLV-Präsident Eberhard Laur allen Freunden, Gönnern sowie am Bau der Werkstatt Beteiligten und erinnerte an die große Bedeutung des Klippenecks als Luftsportzentrum in der Region, wo der Verband künftig seine Aktivitäten bündle. „In all den Jahrzehnten war das Klippeneck immer einer der zentralen Orte der Verbandsaktivitäten und des Luftsportes, der weit über das Land hinaus Bedeutung erlangte. Und so ist es auch heute wieder. Technik und Ausbildung sind ein wesentlicher Schlüssel für den Erfolg des Luftsportes in gemeinnützigen Vereinen in Deutschland schlechthin. Und hierfür stehen gerade auch dieser Standort hier am Klippeneck und diese Ausbildungsstätte.“

Laur hielt zudem Rückschau über den Bau der neuen Werkstatt, in der nun alle Technischen Lehrgänge des Verbandes stattfinden. Das zweigeschossige Gebäude, das über eine Grundfläche von rund 400 Quadratmeter, ein großes Hebefalttor an der Vorderseite sowie einen Sanitärtrakt verfüge, der auch den Vereinen auf dem Klippeneck zugutekomme, sei modern und bestens ausgerüstet für alle Anforderungen.

Den Schirmherrn, Justizminister Guido Wolf, nannte Laur „einen guten Freund des Klippenecks“, der sich ebenso wie Rudolf Wuhrer, Bürgermeister der Gemeinde Denkingen, stets für die Belange der Luftsportler eingesetzt habe. Auch Alt-Ministerpräsident Professor Erwin Teufel, der als Ehrengast gekommen war, dankte Laur explizit für dessen langjährige Unterstützung.

Gleichzeitig appellierte Laur an die Politik, dass es nicht noch mehr gesetzliche Verschärfungen geben dürfe, welche die Fliegergemeinschaft unnötig belasten. Daneben drohten Einschränkungen durch Windkraftprojekte in Flugplatznähe. Rund 40 Flugplätze im Land seien hier betroffen, und auch am Klippeneck gebe es Planungen zur  Errichtung  von 230 Meter hohen Windrädern in geringem Abstand zum Flugplatz. „Da stellt sich schon die Frage: Wie geht es weiter und wie lange können wir unseren Sport noch ausüben und lautlos unsere Kreise über der Heimat ziehen?“, so Laur. Zugleich betonte der BWLV-Präsident, der Verband sei kein Gegner alternativer Energien: „Wir möchten bloß unseren Sport ausüben.“

Denn insbesondere der Segelflug in Baden-Württemberg habe eine langjährige Tradition und sei fest verankert in der Gesellschaft. Durch seine so genannte globale Ausbildungserlaubnis betreibe der BWLV die größte Segelflugschule der Welt. „Wir haben rund 1.100 Fluglehrer, 900 Flugzeuge und rund 2.000 Flugschüler pro Jahr in unseren Vereinen. Darauf können wir zurecht stolz sein!“, sagte Laur.

In seiner Ansprache gratulierte Justizminister Guido Wolf dem BWLV herzlich zu dessen Jubiläum und der Übergabe der Technischen Werkstatt. „Wie man sieht, bewegt diese Feier die Menschen, sie identifizieren sich mit dem Klippeneck und dem Segelflug hier“, so Wolf. Der BWLV sei für das Land und die Landesregierung ein wichtiger Partner. „Wenn Sie Unterstützung brauchen, sage ich Ihnen diese hiermit gerne jederzeit zu.“

Im Hinblick auf die Rolle der Politik gegenüber der Fliegerei und insbesondere dem Ehrenamt zeigte sich Wolf durchaus kritisch: „Ich habe das Gefühl, dass die Leute im Vereinswesen in Sachen Regulierung erwarten: Weniger wäre mehr. Mich berührt es immer peinlich, wenn ich erfahre, dass sich ein Verein heute kaum noch traut, einen Kuchen zu verkaufen, weil er dabei immer mit einem Bein im Gefängnis steht.“ Damit hatte der Minister offensichtlich einen Nerv getroffen und erhielt lang anhaltenden Applaus für seine Worte.

In Sachen Windenergie positionierte sich Wolf klar für die Belange der Fliegerei: „Segelflieger sind Freunde der Natur. Wir sollten keine künstlichen Konflikte aufbauen. Darum sage ich: Stellt dort Windräder auf, wo es ein gesundes Verhältnis zwischen Effizienz und Ertrag gibt. Es gibt wesentlich bessere Standorte für Windräder als das Klippeneck.“ Dem Verband wünschte Wolf weiterhin eine gute Zukunft und viele schöne fliegerische Erlebnisse.

Denkingens Bürgermeister Rudolf Wuhrer erinnerte in seiner Festrede an die Anfänge der Fliegerei auf dem Klippeneck. „1932 kamen ein paar Flieger mit ihrem Anliegen zum Bürgermeister von Denkingen – und schon war der Flugplatz genehmigt“, so Wuhrer. „Es muss aus heutiger Sicht bei all den bürokratischen Hürden für die Fliegerei das Paradies auf Erden gewesen sein.“ Den BWLV lobte Wuhrer als „Bewahrer einer reichen Tradition“, der seine Aufgaben stets in hervorragender Weise wahrgenommen habe. „Die enge Zusammenarbeit mit der Gemeinde und den Menschen vor Ort war immer von gegenseitigem Vertrauen getragen und könnte besser nicht sein“, so Wuhrer. Dass der Festakt auf dem Klippeneck stattfinde, sei für die Gemeinde ein Zeichen großer Verbundenheit und ein Vertrauensbeweis. Denkingen sei ohne die Segelflieger nicht denkbar, und die Investition des Verbandes ein starkes Bekenntnis zur Zukunft des Geländes am Klippeneck. Wuhrer übergab Eberhard Laur einen Gutschein für einen Baum, der alsbald auf dem Klippeneck gepflanzt werden soll.

Den Abschluss im Reigen der Festreden bildete Wolfgang Müther, Präsident des Deutsche  Aero Clubs. Er dankte dem BWLV für dessen großes Engagement und mahnte, dass die Flieger allesamt verpflichtet seien, die lange Tradition zu wahren und weiterzugeben. Müther forderte, die Werkstatt zu einer echten Wirkungsstätte zu machen, von der aus zum Wohle der Vereine Gutes entstehe.

Im Anschluss an die Festreden überreichte BWLV-Präsident Eberhard Laur an die beiden langjährigen Mitglieder und Segelflugpioniere Bodo Stähle und Brigitta Keller die Ehrenmitgliedschaft des Verbandes.  Der 91-jährige Stähle war bereits seit 1941 fliegerisch aktiv und ist dies bis heute. So war er unter anderem Mitglied der Deutschen Segelflugnationalmannschaft, nahm an mehreren Deutschen Meisterschaften teil, wirkte als Segelfluglehrer-Ausbilder und war darüber hinaus im Verband als Funktionär tätig.  Auf sein Konto gehen fast 8.000 Starts mit mehr als 4.700 Flugstunden. Brigitta Keller war eine der ersten aktiven Segelfliegerinnen in Deutschland. Sie erflog in den 1950er- und 1960er-Jahren mehrere Höhen- und Weitenrekorde, war ebenfalls als langjährige Ausbilderin und Funktionärin aktiv. Besonders verdient machte sich Brigitta Keller um den Frauenluftsport.

Im Anschluss verweilten die Besucher bei Bewirtung und Musik der „Old Fashion Jazzband“. Zudem gab es Vorführungen von Wilhelm Heinz, der vom Degerfeld mit seiner Extra 300 gekommen war, und von Robin Kemter, der Segelkunstflug mit buntem Rauch in Perfektion zeigte. Am Segelflug-Simulator des BWLV herrschte reger Andrang, und die Luftsportjugend des Verbandes wie auch die Mitarbeiter der Stuttgarter Geschäftsstelle des BWLV sorgten dafür, dass die Besucher bestens versorgt waren. Bei guten Gesprächen klang die Festveranstaltung aus.

Beim anschließenden Flugplatzfest der ARGE Klippeneck, das sich auch auf den Sonntag erstreckte und das in den benachbarten Hallen stattfand, nahmen die Besucher gerne das Angebot der Vereine in Anspruch. Zwar machte das Wetter Aufführungen im Freien unmöglich.  Dennoch konnten zumindest in den Hallen einige Modellflugzeuge gezeigt werden – und auch an den großen Flugzeugen zeigten die Gäste reges Interesse. Mehrere Dutzend Helfer waren vor Ort, darunter Freiwillige des DRK und der Feuerwehr. Der Musikverein Denkingen steuerte die musikalische Untermalung bei.

Trotz der bescheidenen Wetterverhältnisse waren die Hallen gut gefüllt. „Zeitweise bildeten sich sogar Schlangen bei der Essensausgabe“, sagt der ARGE-Sprecher Sören Ebser. Insofern bleibt allen Beteiligten ein gemeinsames Fazit: Das Festwochenende auf dem Klippeneck war rundum gelungen.

Text: Simone Bürkle
Fotos: Simone Bürkle/Sören Ebser/Steffen Baitinger